Welche Rolle spielen Bewegungskulturen für die Konstruktion und Inszenierung von nationalen und transnationalen Gemeinschaften? Aktuelle Prozesse der Globalisierung und Migration werfen Fragen nach der Interaktion von Kulturen, nach den Eigenheiten kultureller Transfers und kultureller Identitäten auf. Die neu entstehenden transnationalen Gemeinschaften erfinden Traditionen und Identitäten, in denen sich nicht nur Merkmale verschiedener Kulturen, sondern auch Elemente von Hoch- und Populär-, von oraler und massenmedialer Kultur vermischen. Das Tanzarchiv Leipzig untersucht deren Wechselwirkungen aus einem kulturvergleichenden Blickwinkel.
Projekt: "Folklore als Avantgarde"
Einen Schwerpunkt bildet die Folklore. In vielen zeitgenössischen Gesellschaften ist die Folklore ein Instrument, nationale, kulturelle und soziale Grundlegungen und Selbstverständnisse neu zu definieren. In diesen Zusammenhang gehören Teilbereiche wie etwa urbane und religiöse Folklore, Arbeiterfolklore, nationale Folklore oder Fernsehinszenierungen. Der Umgang mit dem eigenen symbolischen Erbe wird zum Impulsgeber für Fragen nach dem gesellschaftlichen Zusammenhalt, nach sozialer Reform und politischer Gestaltung.
Folklore lässt sich an Projekte und Projektionen von nationalen, ethnischen und transnationalen Identitätsentwürfen anschließen. Sie reichen von der Konstruktion einer Gemeinschaft mit Authentizitätsanspruch bis zur Artikulation von Erfahrungen im globalisierten Raum. Pflege und Neuerfindung von Traditionen begleiten historische wie aktuelle Prozesse der Modernisierung und knüpfen an zentrale Themen der Avantgarden an. Das Projekt „Folklore als Avantgarde“ des TAL verbindet europaweit Choreografen, Filmemacher und Wissenschaftler. Archivarbeit und künstlerischer Kommentar ermöglichen einen neuen Blick auf das Verhältnis von Bewegung und Gemeinschaft im 20. und 21. Jahrhundert.
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| fast vergessene Volkstänze_ der Zefixer.jpg | 496.58 KB |