Jeschke, Claudia/Bayerdörfer, Hans-Peter (Hrsg.):
Bewegung im Blick. Beiträge zu einer theaterwissenschaftlichen Bewegungsforschung.
Berlin: Verl. Vorwerk 8, 2000.
Die Ästhetik der Bewegung macht für viele heutige Betrachter das eigentliche Faszinosum des Theaters aus. Nicht nur Tanz und Choreographie sind davon bestimmt, sondern alle Formen des Bühnenspiels. Seit rund einhundert Jahren ist die Bewegungstheorie daher zu einem Angelpunkt der Theaterreform geworden. Bewegungsforschung gehört zu den Grundlagen der Theaterwissenschaft. Wie wird Bewegung in den unterschiedlichen Sparten inszeniert? Und wo liegen die Grenzen eines vom Theater bestimmten Bewegungsdiskurses, wo geht er über in eine allgemeine kulturelle Debatte? Neben der Theater- und Tanzwissenschaft waren es in den letzten Jahren vor allem Soziologie, Anthropologie und Ethnologie, die auf die unterschiedlichen kulturellen Inszenierungen von Bewegung blickten und sie im Spannungsfeld zwischen ‚Natürlichkeit’ und ‚Virtualität’ zum Thema machten. Den vielfältigen Wegen, auf denen sich die Wissenschaft mit dem Faszinosum Bewegung beschäftigt, gehen die Autorinnen und Autoren des Bandes nach. Erörtert werden Problemfelder, wie die Materialität von Bewegung, das komplexe Verhältnis von Bewegung und Wahrnehmung, das kultur-, theater- und mediengeschichtlich akzentuiert wird, das Verhältnis von Narrativik, das weit in die Literatur hineinreicht. Stilistisch und ästhetisch wichtige Bewegungsprogramme der Theatergeschichte stehen zur Diskussion, ergänzt um eine Reihe von kulturgeschichtlichen weiter ausgreifenden Fallstudien.
Insgesamt spiegeln die Beiträge die vielseitigen und kontroversen Fragestellungen und Forschungsinteressen, die derzeit die theater- und kulturwissenschaftliche Diskussion prägen und zeigen Impulse für deren weitere methodische un dinhaltliche Entwicklung – getragen von dem Bemühen zu verstehen, was fasziniert.